Der Sylvensteinstausee

 

 

Nachdem das Restwasser der Isar fast 20 Kilometer ab dem Krüner Stausee frei geflossen ist, wird es nun im Sylvensteinspeicher erneut gestaut. Dem Stausee sieht man es auf den ersten Blick nicht an, dass er ein künstliches Gewässer ist, so perfekt und harmonisch fügt sich der fjordartige See in die Landschaft ein. Die Restwassermenge am Stauwehr Krün beträgt im Sommer min. 5m³/sek. und weißt hier damit gerade noch ca. ein Drittel seiner natürlichen Schüttung auf. Bei länger anhaltendem Starkregen kann sich der Zulauf des Sylvensteinspeichers kurzfristig auf bis zu 1000 m³/ sek. erhöhen.

 

 

Der See besteht aus drei Armen. Der westliche Teil, die die Zulaufzone aus der Isar darstellt und mit der Fallerklammbrücke endet, der südliche Teil, der das Tal der Dürrach füllt und der östliche Teil, den das Tal der Walchen füllt. Die drei Flüsse – Isar, Dürrach und Walchen – trafen sich vormals hier und flossen vereinigt durch die Engstelle am Sylvenstein Richtung Norden nach Lenggries. An dieser Engstelle wurde ein zunächst 41 Meter hoher Damm aufgeschüttet und so der See aufgestaut. In der Zulaufzone des Sylvensteinstausees befindet sich das Geschiebewehr, das den Eintrag von Kies in den See verhindern soll. Feinere Partikel, wie Sand oder Schluff gelangen trotzdem in den See und bilden im westlichen Teil des Sees mächtige Sedimentablagerungen aus. Östlich der Fallerklammbrücke lag früher die Ortschaft Fall. Sie wurde abgerissen und am südlichen Hochufer wieder aufgebaut.

 

 

Gründe für den Bau des Stausees

 

Durch umfangreiche Überleitungsmaßnahmen, die bis 1951 fertig gestellt wurden, war die Isar im Unterlauf Richtung Bad Tölz, zu einem Rinnsal verkommen. Daher wurde der Bau eines Speichersees als dringend erforderlich erkannt.

 

Die wichtigsten Veränderungen der Abflüsse im Einzelnen:

  • 1924: Ableitung der Isar am Krüner Wehr , sowie des Finzbachs und des Kranzbachs über den Obernachkanal zum Walchensee. Absperrung des Ablaufs des Walchensees (Jachen) in Richtung Isar. Mit der Inbetriebnahme des Walchenseekraftwerks erfolgt der Abfluss in die Loisach.

  • 1927: Absperrung des Ablaufs des Achensees (Tirol) Richtung Isar (Seeache / Walchen). Mit der Inbetriebnahme des Achenseekraftwerks erfolgt der Abfluss nun in den Inn.

  • 1929: Ableitung des Ampelsbaches (Tirol)zum Achensee. Der Ampelsbach mündete bis dahin in die Seeache / Walchen und floss damit in die Isar.

  • 1949: Ableitung des Rißbachs über einen Düker (unterirdischer Kanal) in den Walchensee

  • 1951: Ableitung der Dürrach (Tirol) zum Achensee. Die Dürrach mündete bis dahin in die Isar.

Bereits mit dem Bau der Rißbachüberleitung wurde der Bau eines Speichersees beschlossen, um das durch die Ableitungen verursachte Niedrigwasser aufzuhöhen. In dem Speichersee sollten im Frühjahr die Schmelzwässer und dann die sommerlichen Niederschläge aufgefangen werden und langsam wieder an den Unterlauf abgegeben werden, um so einen gleichmäßigen Abfluss sicher zu stellen. Der Bau des Speichersees verzögerte sich jedoch. Der Sylvensteinstausee wurde erst 1959 in Betrieb genommen.

 

Die Ursprungsplanung sah eine 108 m hohe Staumauer, anstelle des Staudamms vor. Die Kapazität des Stausees hätte damit ausgereicht, um das Schmelzwasser im Frühling vollständig zurückzuhalten und über den Sommer langsam an den Unterlauf abzugeben. Der damit entstandene See hätte bis nach Wallgau gereicht. Die Beschaffenheit des Untergrundes machte jedoch den Bau einer so hohen Staumauer unmöglich. An der Engstelle am Sylvenstein ist das Kiesbett der Isar bis zu 100 Meter tief und war somit für ein solches Bauwerk nicht tragfähig genug. So wurde ein zunächst 41 Meter hoher Staudamm gebaut. Der Damm wurde 1994 - 2001 um 3 Meter auf 44 Meter erhöht. Eine weitere Erhöhung ist ohne Folgebaumaßnahmen nicht möglich, da die Fallerklammbrücke sonst überflutet würde.

Straßen- und Brückenbauwerke:

 

Der Sylvensteinstausee ist für eine Höhenänderung von 31 Metern ausgelegt. D.h. ,das minimale Stauziel liegt bei 736m, das maximale Stauziel bei (jetzt) 767m. (Normalstau Sommer: 750m, Normalstau Winter: 752m) Daher mußten alle Straßen, die sich im Bereich des Stausees befanden, entsprechend höher gelegt werden. Das auffälligste Verkehrsbauwerk ist die Fallerklammbrücke, die in einer sanften S-Form über den Stausee führt. Während des Baus der Brücke wurde im Juni 1956 beschlossen, die Deutsche Alpenstraße über diese Brücke zu führen. Dadurch wurde die Straße zur Bundesstraße (B307) hinaufgestuft und mußte verbreitert werden. Da die Brückenpfeiler bereits fertig waren, mußte nun die Stahlkonstruktion geändert werden, die bereits auf dem Weg zur Baustelle war. Die über die Pfeiler nun hinausragenden Gehwege, verleihen der Brücke ihre schlanke Bauform.

 

Des weiteren wurde die Brücke am Auslauf des Sylvensteinstausees, mehrere Brückenbauwerke im Bereich der Walchenklamm, die Dürachklammbrücke und die Schürpfengrabenbrücke neu gebaut. Da man trotz der Eingriffe in die Natur durch den Bau des Stausees die Umgebung als „natürlich“ präsentieren wollte, wurden alle Strom- und Fernmeldeleitungen unterirdisch verlegt. Keine Hochspannungsleitung trübt hier den Blick.

 

Das Geschiebewehr:

 

Vor dem Sylvensteinstausee wurde ein Geschiebewehr errichtet. Es liegt bei Flusskilometer 230,5. Das Wehr hat eine Breite von ca. 250 Meter und besteht aus großen Flußbausteinen, die mit Beton vergossen wurden. Dem Wehr sind einige Inseln vorgelagert, sodass sich dort das Wasser in die Breite verteilen muss, dadurch sinkt die Fließgeschwinigkeit und der Kies lagert sich ab. Der Kies wird mit großen Baumaschinen regelmäßig aus dem Flußbett entfernt und wird abseits auf einer Halde gelagert. Der Kies wird teilweise nach dem Sylvensteinstausee wieder der Isar zugeführt.

 

Das Wasser läuft im Normalfall durch 5 kleinen Düker unter der Wehrstraße hindurch. Bei Starkregen oder auch der Schneeschmelze, kommt jedoch hier soviel Wasser an, dass das Wehr überflutet wird. Dann läuft hier die Isar auf der gesamten Breite von 250 Meter über das Wehr. Die Zulaufmenge kann in einen solchen Fall mehr als 1000 m³/sek. betragen. Die Isar führt dann auch beachtliche Treibholzmengen mit sich.